Spannungsteiler

Ein Spannungsteiler ist eine der wichtigsten Grundschaltungen der Elektrotechnik. Mit nur zwei oder mehr Widerständen lässt sich eine Eingangsspannung so aufteilen, dass an einem bestimmten Punkt eine kleinere, genau definierte Ausgangsspannung entsteht. Spannungsteiler findest du in nahezu allen elektronischen Geräten – von Sensoren über Messschaltungen bis hin zu Mikrocontroller‑Eingängen.

Das Prinzip ist einfach: Die Eingangsspannung verteilt sich proportional zu den Widerstandswerten auf die einzelnen Widerstände. Dadurch kannst du gezielt Spannungen erzeugen, ohne aktive Bauteile oder komplexe Schaltungen zu benötigen. Gleichzeitig ist es wichtig zu verstehen, wie sich Lasten auf den Spannungsteiler auswirken, damit die Ausgangsspannung stabil bleibt.

Auf dieser Seite lernst du Schritt für Schritt, wie ein Spannungsteiler aufgebaut ist, wie du die Ausgangsspannung berechnest und welche Fehler in der Praxis häufig auftreten. Zusätzlich findest du praxisnahe Beispiele und vollständig durchgerechnete Aufgaben.

1. Der unbelastete Spannungsteiler (R1 und R2)

Beim unbelasteten Spannungsteiler besteht die Schaltung nur aus zwei in Reihe geschalteten Widerständen:

  • R1 – oberer Widerstand

  • R2 – unterer Widerstand

  • Uges – Eingangsspannung

  • U1 – Spannung über R1

  • U2 – Spannung über R2 (Ausgangsspannung)

  • I – Strom durch beide Widerstände

Da es eine Reihenschaltung ist, gilt:

  • Der Strom ist überall gleich

  • Die Spannungen teilen sich proportional zu den Widerständen auf

  • Die Widerstände addieren sich

Unbelasteter Spannungsteiler

Formeln des unbelasteten Spannungsteilers

U2=UgesR2R1+R2
U1=UgesU2
I=UgesR1+R2

Beispiel: Unbelasteter Spannungsteiler

Gegeben:

Uges = 12 V R1 = 8 kΩ R2 = 4 kΩ

Ausgangsspannung

U2=12V412=4V

Strom

I=12V12kΩ=1mA

Spannung über R1

U1=12V4V=8V

2. Der belastete Spannungsteiler (R1, R2 + RL)

Sobald eine Last RL an den Spannungsteiler angeschlossen wird, verändert sich die Schaltung grundlegend:

  • R2 und RL liegen parallel

  • Die Ausgangsspannung U2 sinkt

  • Der Gesamtstrom teilt sich auf in I2 und IL

  • Die Berechnung muss den Ersatzwiderstand berücksichtigen

Größen in der Grafik

  • R1 – oberer Widerstand

  • R2 – unterer Widerstand

  • RL – Lastwiderstand

  • Uges – Eingangsspannung

  • U1 – Spannung über R1

  • U2 – Spannung über R2 und RL

  • Iges – Gesamtstrom

  • I2 – Strom durch R2

  • IL – Strom durch die Last RL

Schritt 1: Ersatzwiderstand von R2 und RL

Rersatz=R2RLR2+RL

Schritt 2: Gesamtstrom

Iges=UgesR1+Rersatz

Schritt 3: Ausgangsspannung U2

U2=IgesRersatz

Schritt 4: Teilströme

I2=U2R2
IL=U2RL

Kontrolle:

Iges=I2+IL

Beispiel: Belasteter Spannungsteiler

Gegeben:

Uges = 12 V R1 = 8 kΩ R2 = 4 kΩ RL = 4 kΩ

1. Ersatzwiderstand

Rersatz=4kΩ4kΩ4kΩ+4kΩ=2kΩ

2. Gesamtstrom

Iges=12V8kΩ+2kΩ=1,2mA

3. Ausgangsspannung

U2=1,2mA2kΩ=2,4V

4. Teilströme

I2=2,4V4kΩ=0,6mA
IL=2,4V4kΩ=0,6mA

Kontrolle:

Iges=0,6mA+0,6mA=1,2mA

Warum sinkt die Spannung bei Belastung?

Weil R2 und RL parallel wirken:

  • Der Ersatzwiderstand wird kleiner

  • Der Gesamtstrom steigt

  • Dadurch fällt an R1 mehr Spannung ab

  • Die Ausgangsspannung U2 sinkt

Merke: Ein Spannungsteiler ist nur dann stabil, wenn die Last mindestens 10× größer ist als R2.

Praxisbeispiele für Spannungsteiler

1. Sensorsignale anpassen

Viele Sensoren liefern 0–5 V, Mikrocontroller erwarten aber 0–3,3 V.

2. Messbereichserweiterung

Multimeter oder ADC‑Eingänge können durch Spannungsteiler höhere Spannungen messen.

3. Referenzspannungen erzeugen

Ein Spannungsteiler kann einfache Referenzspannungen erzeugen, z. B. 2,5 V aus 5 V.

4. Potentiometer

Ein Potentiometer ist ein variabler Spannungsteiler.

5. Pegelanpassung

TTL‑, CMOS‑ oder 24‑V‑Signale können über Spannungsteiler auf sichere Pegel gebracht werden.

Fazit

Ein Spannungsteiler ist eine einfache, aber extrem vielseitige Grundschaltung. Mit zwei Widerständen lässt sich eine Eingangsspannung auf einen gewünschten Wert reduzieren. Die Berechnung ist unkompliziert, aber in der Praxis spielt die Last eine entscheidende Rolle. Die Beispiele zeigen, wie sich unbelastete und belastete Spannungsteiler unterscheiden und warum Lastwiderstände die Ausgangsspannung beeinflussen.

Bis zum nächsten Mal im AutomatisierungsLabor

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